Es sollte die schönste Zeit im Jahr sein. Man möchte sich vom Alltagstress erholen und neue Eindrücke über Land und Leute kennen lernen. Doch oft kommt es anders, als man denkt. Kakerlaken auf den Zimmern, Schimmel im Bad oder Baulärm neben dem Hotel lassen die schönsten Tage des Jahres schnell zum Albtraum werden. Doch wie verhält man sich richtig, wenn ein solches Problem auftritt?

Reisemängel sind sehr oft der häufigste Streitpunkt nach Beendigung der Reise. Doch was ist unter einem Reisemangel zu verstehen und was sollte der Reisende tun, wenn ein solcher Mangel auftritt?

Definition Reisemangel

Wenn sich die am Urlaubsort vom Reiseveranstalter zugesicherte Leistung von der im Reisevertrag vertraglich festgelegten Leistung unterscheidet, handelt es sich um einen Reisemangel. Das bedeutet, wenn die Angaben im Reiskatalog deutlich von der Realität am Urlaubsort abweichen. Sollte beispielsweise der im Reisekatalog zugesicherte Fitnessraum bei ihrer Ankunft noch eine Bauruine sein, an der noch fleißig gearbeitet wird oder die Heizung auf dem Zimmer tagelang ausfallen, handelt es sich um einen Reisemangel.

Kein Reisemangel liegt allerdings dann vor, wenn es sich um bloße Unannehmlichkeiten handelt. Darunter sind beispielsweiße vereinzelnt auftretende Insekten in südlichen Ländern noch nicht als Reisemangel anzusehen. Anders sieht es beispielsweiße bei einer Heuschreckenplage aus, die als akuter Reisemangel gilt. Ob allerdings tatsächlich ein Mangel vorliegt, wird von den jeweiligen Gerichten genau geprüft.

Was tun bei Reisemängeln ?

Sollte während Ihres Urlaubes ein akuter Reisemangel auftreten, sollte der Reisende den Mangel unverzüglich entweder beim Reiseveranstalter oder bei der Reiseleitung vor Ort anzeigen. Gleichzeitig sollte eine angemessene Frist für die Reiseleitung oder den Reiseveranstalter gesetzt werden, in der der Mangel beseitigt werden kann. Wichtig dabei ist, dass es nicht ausreicht, den Mangel an der Hotelrezeption anzugeben. Haben sie es versäumt, den Mangel am Urlaubsort anzugeben, stehen ihre Chancen schlecht, nach Reiseende eine Minderung des Reissepreises durchzusetzen.

Sollte der Mangel vor Ort nicht beseitigt werden, kann jeder Reisende innerhalb eines Monats nach Reiseende die entstandenen Mängel beim Reiseveranstalter geltend machen. Nach dem Ende dieser Frist hat der Reisende keine Chance mehr, Ansprüche gegen den Reiseveranstalter geltend zu machen. Vorraussetzung für eine spätere Mängelanzeige sind, dass der Mangel vor Ort  derRreiseleitung oder dem Reiseveranstalter mitgeteilt wurde und eine Frist zur Abhilfe gesetzt wurde.

Bei Ansprüchen gegen den Veranstalter muss immer der Reisende den Beweiß erbringen, dass auch tatsächlich ein Reisemangel bestanden hat und auch nicht der Reisende selbst den Mangel verursacht hat. Deshalb sollte jeder aufgetretene Reisemangel in einem Mängeltagebuch festgehalten werden und mit Fotos oder Videoaufnahmen dokumentiert werden. Noch besser ist es, wenn man Zeugen aufweißt, die den Mangel bestätigen können. Nur wenn der Reisende konkret den Reisemangel nachweißen kann, hat er vor Gericht eine Chance auf Schadensersatz. Die Verjährungsfrist beträgt hier 2 Jahre, kann aber in den jeweiligen AGB´s der Reiseveranstalter verkürzt werden.

Rechte nach Urlaubsende

Falls Sie Ihre Ansprüche auf dem Rechtsweg geltend machen wollen ist es auf jeden Fall empfehlenswert, sich juristisch und rechtlich beraten zu lassen. Eine gute Möglichkeit dazu sind Anwälte, die sich auf Reiserecht spezialisiert haben oder die Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer. So vermeiden Sie Fehler, die durch Unkenntniss der Fristen bzw. der Schriftform entstehen können. Wie bereits erwähnt, prüft jedes Gericht den Reisemangel und bewertet ihn. Eine genau festgelegte Entsschädigungssumme gibt es dabei nicht. Anhaltspunkte geben dabei die Frankfurter Tabelle und die Kemptener Reisemängeltabelle. In diesen Tabellen sind verschiedene Mängelarten mit der dazugehörigen prozentualen Minderung des Reisepreises dargestellt. Desweiteren ist es ratsam, sich im Internet überverschiedene andere Urteile zu informieren .

Schlussfolgerung

Wenn auf einer Reise ein oder mehrere Mängel auftreten, haben Sie grundsätzlich das Recht, dass alle entstandenen Mängel beseitigt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie auch die Möglichkeit, den Reisepreis nachträglich zu mindern. Grundvoraussetzung dabei ist immer, dass sie dabei formal korrekt vorgehen. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Ihnen bei der Buchung zugesicherte Leistung zu erbringen. Der Entschluss, den Reiseveranstalter vor Gericht zu ziehen und auf Schadensersatzt zu plädieren, sollte vorher gut überlegt werden.

Checkliste bei Reisemängeln

  1. Dem Reiseveranstalter oder der Reiseleitung den Mangel unverzüglich mitteilen und eine Frist zur Abhilfe setzen.
  2. Beweiße über die Mängel sichern, d.h. Mängel schriftlich festhalten, Fotos, Videoaufnahme, Zeugen.
  3. Nach Reiseende innerhalb eines Monats eine schriftliche Mängelliste mit Beweisen der Mängel per Einwurfeinschreiben an den Reiseveranstalter schicken.
  4. Gegebenenfalls einen Anwalt aufsuchen oder sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.

 

Autor: Frank Wolbold